WM Kolumbien – Interview mit Michael Küffer

Der Autor hat Michael Küffer im Winter 12/13 in Iquique getroffen. Seither sind die beiden in regelmässigem Kontakt.

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Ciao Michael, wie alt bist Du, und wie lange fliegst Du schon?

Ich bin 25 und fliege seit gut 9 Jahren.

Welche Art von Pilot bist Du? Wettkampf, XC, Akro, Tandem, etc.

Zurzeit fliege ich vor allem Wettkämpfe und Tandem, gerne würde ich aber diese Saison auch wieder mehr Streckenfliegen. Im Herbst und Winter bin ich viel am Akroschirm oder beim Hike & Fly.

Für welchen Schirmhersteller fliegst Du? Wer sind Deine anderen Sponsoren?

Ich habe Ende letztes Jahr auf GIN gewechselt und bin nun mit einem Boomerang 10 sehr glücklich unterwegs. Zudem werden wir von der Liga (Swiss League) unterstützt. Andere Sponsoren habe ich keine.

Kolumbien

Wir gratulieren Dir zu Deinem Abschneiden an der WM in Kolumbien. Im Training hast Du sogar gewonnen! Wie bist Du mit Deinem Ergebnis zufrieden?

Mit dem Endergebnis (39.) kann ich nicht wirklich zufrieden sein, mein Ziel waren die top 20. Ich kam mit den Flachlandbedingungen und den grossen Pulks nicht so gut zurecht wie in den Alpen.

Welches waren die speziellen Herausforderungen dieses Jahr?

Roldanillo ist zwar vom Wetter und den Flugbedingungen wohl das beste und konstanteste Streckenfluggebiet überhaupt und daher fürs Wettkampffliegen prädestiniert. Jedoch hat das Flachlandfliegen auch seine Tücken: taktische Entscheide sind schwieriger zu fällen und eigene Ideen abseits der Gruppe gehen nur selten auf. Das führte dazu, dass die Pulks sehr gross waren und die Taktik, bei der Gruppe zu bleiben, meistens die beste war.

 

Nicht nur das Feld war stark, sondern schon Dein eigenes Team: wie ist es, mit Michael und Chrigel Maurer und Stephan Morgenthaler in einem Team zu sein?

Es war extrem spannend und bereichernd, ihre sehr verschiedenen Flugstile zu beobachten. Sie haben schliesslich alle konstant sehr gute Ergebnisse geflogen, Mich Maurer auf dem 2. Platz und Chrigel und Steph auf dem 5. bzw. 6. ist ein super Ergebnis. Zudem war die Stimmung im Team ausgezeichnet!

Seid ihr auch gemeinsam geflogen, als Team?

Bewusst zusammen zu fliegen ist bei solchen Wettkämpfen eher schwierig und selten erfolgreich. Geht es nicht auf, ist das ganze Team schlecht. Wir haben aber in der Luft miteinander gefunkt und ab und zu Bedingungen und Routenmöglichkeiten diskutiert. Zudem haben wir vor jedem Lauf mögliche Routen und taktische Entscheide besprochen.

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Welche Pläne hast Du für das Jahr 2015?

Leider muss ich wegen meinem Studium bis im Sommer ein paar PWCs auslassen. Besonders freue ich mich aber auf den Weltcup in Disentis im August – dem ersten PWC in der Schweiz seit 7 Jahren! Vorher ist noch die Schweizermeisterschaft in Fiesch. Im Herbst dann die PWCs Spanien und Indien.

Vor allem aber möchte ich wieder mehr im Jura auf Strecke gehen. Dort habe ich fliegen gelernt und war früher sehr viel unterwegs. Letztes Jahr hat Jan Sterren mit einem 220er-Dreieck einen neuen Jurarekord aufgestellt – den gilt es zurückzuholen! [lacht] Zudem ist es an der Zeit, auch im Jura grössere FAI-Dreiecke zu probieren, wir werden sehen.

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Was hast du beim Wettkampffliegen gelernt, was fürs Streckenfliegen hilfreich ist?

In erster Linie sicher, wie man schnell fliegt. Dann muss man nur noch lange genug fliegen und man kommt sehr weit [schmunzelt]. Vor allem lernt man auch, regelmässig stark beschleunigt zu fliegen und gut damit umzugehen. Damit meine ich, dass man, auch wenn es etwas weniger ruhig ist, noch sehr sicher beschleunigen kann und weiss, wie man auf Turbulenzen reagiert. Zusätzlich lernt man beim Wettkampffliegen sehr gut, taktisches Risiko bewusst einzugehen. Es ist entscheidend zu wissen, wann man problemlos “angreifen”, sprich offensiv fliegen kann und wann es besser ist, etwas Geschwindigkeit rauszunehmen und auch mal einen schwächeren Schlauch zu drehen. Da hat man im Wettkampf sofort direktes Feedback, welche Option nun besser war. Ich denke, beim Streckenfliegen wird oft zu defensiv geflogen und man könnte mit einem angriffigeren, aber kalkulierten Flugstil schneller und weiter fliegen.

Wie fliegt man schnell?

Wenig drehen und viel beschleunigt fliegen. [lacht]

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Welche Rolle spielt das Gurtzeug, welche der Schirm?

Im Wettkampf ist der Schirm enorm wichtig, das Gurtzeug etwas weniger, da die Leistungsunterschiede dort wohl geringer sind. Jedoch denke ich, dass man beim Streckenfliegen mit einem Wettkampfschirm nicht zwingend einen Vorteil hat, vor allem wenn man sich unwohl fühlt oder den Schirm nicht zu 100% im Griff hat. Mit einem Wettkampfschirm kann man schneller fliegen – taktische Fehler verhindert man dadurch aber nicht, und diese kosten oft mehr Zeit.

Besonders wichtig finde ich wie gesagt, dass man seinen Schirm im Griff hat, d.h. dass man weiss, wann er abreisst, wie er sich bei einem 50% Klapper verhält und wie man ihn stallt. Dies gibt das nötige Vertrauen und die Sicherheit, um lange zu fliegen und auch bei schwierigeren Bedingungen ruhig zu bleiben.

Welches sind die schönsten Sommer- / Winterfluggebiete (CH/Ausland)

Im Winter war ich jetzt oft in Südamerika, kenne aber noch lange nicht alle Fluggebiete. Mein Favorit fürs gemütliche Streckenfliegen ist sicher Roldanillo, vor allem auch wegen den Leuten, dem Klima und der Infrastruktur. Valle de Bravo in Mexiko ist ähnlich zuverlässig, aber fliegerisch interessanter, dafür aber auch sportlicher und mit einer weniger guten Infrastruktur als Roldanillo. Im Sommer fühle ich mich nach wie vor in der Schweiz am wohlsten.

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Der heisse Tipp

Wer kann am X-Alps Chrigel Maurer schlagen? Welches sind Chrigels wunde Punkte?

Schwierig! Ehrlich gesagt denke ich, dass das Team Chrigel / Thomas im Moment unschlagbar ist – sie sind eigentlich in allen Bereichen (Skills, Erfahrung, Seriosität, Equipment) ganz vorne. Aber auch Chrigel kann Fehler machen und es ist schnell etwas passiert. Zudem ist nicht sicher, wie gut und schnell er sich von seiner Fussverletzung erholt.

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